Ein junger Komet mit ungewisser Zukunft bald sichtbar

Bild: Dr. Joachim Korb

Im Oktober 2024 erwartet uns ein besonderer kosmischer Besuch: Der Komet Tsuchinshan-ATLAS durchquert das innere Sonnensystem und wird am 12. Oktober mit etwa 70 Millionen Kilometern die größte Annäherung an die Erde erreichen. Er wird auch auf der nördlichen Halbkugel unserer Erde, also auch in Mainz, zu sehen sein. Die Nähe des Kometen zu unserem blauen Juwel, der Erde, stellt jedoch keinen Grund zur Sorge dar. Es gab bereits nähere Begegnungen, wie zum Beispiel mit Komet C/2022 E3 (ZTF) Anfang 2023, der sich bis auf 24 Millionen Kilometer näherte.

Was macht diesen Kometen besonders?
Es ist die erste Passage des jungen Kometen durch das innere Sonnensystem. Der weitere Verlauf seiner Umlaufbahn kann noch nicht genau vorhergesagt werden. Basierend auf den bisherigen Beobachtungsdaten ist es sogar nicht auszuschließen, dass er bei seiner ersten Umrundung der Sonne komplett zerfällt. Tut er das nicht, wird er in die äußeren Bereiche des Sonnensystems zurückkehren und könnte sogar das Sonnensystem verlassen. Möglicherweise haben wir also nur diese eine Chance, ihn zu beobachten.

Wird der Komet mit bloßem Auge sichtbar sein?
Anfang Oktober könnte man auf der nördlichen Halbkugel den Schweif des Kometen, sofern er gut ausgeprägt ist, kurz vor dem Morgengrauen hoch im Osten am Himmel sehen. Der Kometenkopf selbst könnte zu Beginn der Dämmerung noch für kurze Zeit als heller Punkt nahe dem Horizont sichtbar sein, während der Schweif bereits im zunehmenden Tageslicht verblasst.

Ab dem 10. Oktober verlagert sich das Schauspiel auf den Abendhimmel im Westen. Nach Sonnenuntergang könnte der Komet für kurze Zeit als heller Punkt am Horizont erscheinen, während sein Schweif in der Dämmerung sichtbar wird.

Mitte Oktober 2024, bei seiner größten Annäherung an die Erde, könnte der Komet besonders gut zu sehen sein – möglicherweise sogar so hell, dass er mit bloßem Auge auffällt. Sein Kern wird etwa zwei Stunden nach Sonnenuntergang untergehen, aber der Schweif könnte noch etwas länger sichtbar bleiben. Danach wird der Komet langsam verblassen und wahrscheinlich ab Mitte November nicht mehr ohne Hilfsmittel zu sehen sein.

Beobachtung des jungen Kometen
Sofern das Wetter es zulässt, bieten wir am Samstag, den 19. Oktober 2024 pünktlich zum Astronomietag einen Beobachtungsabend in der Paul-Baumann-Sternwarte in Klein-Winternheim an. Dort haben Besucher:innen die Möglichkeit, bei klarem Himmel den Kometen durch unsere Ferngläser live zu erleben. Wir stehen als Hobbyastronomen zur Verfügung und beantworten gerne Fragen zum Universum. Mehr Details zur Beobachtung werden in Kürze unter Beobachtungen bekannt gegeben.

Warum sind Kometen von Bedeutung für die Wissenschaft?
Die Analyse der Zusammensetzung von Kometen ist von großer wissenschaftlicher Bedeutung. Sie gibt Einblick in das junge Sonnensystem und wirft vielleicht Licht auf die große Frage, wie das Leben auf der Erde entstanden ist. Wie sind organische Verbindungen auf die junge Erde gelangt? Wurden sie möglicherweise durch Kometen transportiert? Es wird auch diskutiert, ob das Wasser auf der Erde durch Kometen und Asteroiden geliefert wurde. Kometen wurden daher bereits von mehreren Raumsonden besucht. Im Jahr 2014 landete sogar eine Raumsonde auf dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko.

Vortrag zur faszinierenden Welt der Kometen
Für alle Wissenshungrigen und Weltallbegeisterten planen wir kurzfristig einen Vortrag im Oktober zu diesen Kleinkörpern des Universums mit Dr. Dirk Rensink (Mitglied der AAG Mainz) in der Aula der Anne-Frank-Schule. Zentrale Themen des Vortrags werden sein, was Kometen überhaupt sind, warum sie als Zeitkapseln betrachtet werden können und welche spannenden Weltraummissionen bisher neue Erkenntnisse geliefert haben. Nähere Informationen werden in Kürze unter Vorträge bekannt gegeben.